Γιώργος Σαχίνης

Νέα πρόκληση Ρίχτερ

Dusseldorf. Der renommierte deutsche Historiker Heinz A. Richter (76) soll sich am 2. September in Kreta vor Gericht verantworten - wegen Rassismus und Nazi-Propaganda. Der Mannheimer Professor, Ehrendoktor der Uni Kreta, sieht sich als Opfer der Euro-Krise. Er wird massiv bedroht. Von Helmut Michelis

Der Fall ist deswegen besonders grotesk, weil der linksliberale Mannheimer Professor, seit 40 Jahren Mitglied der SPD, wegen seiner Verdienste im Jahr 2000 mit dem zweithochsten griechischen Staatsorden ausgezeichnet und 2014 zum Ehrendoktor der Universitat Kreta ernannt worden ist.

Richter, der in Athen studierte und 22 Bucher uber die griechische Geschichte geschrieben hat, von denen acht in die Landessprache ubersetzt worden sind, ist fassungslos: "Ich bin quasi der Stellvertreter und Prugelknabe bestimmter Berliner Politiker, die in Griechenland verhasst sind."

Den Gerichtstermin in Rethymnon werde er auf keinen Fall wahrnehmen. Ihm drohen bis zu drei Jahre Haft; die Hetzkampagne in den griechischen Medien und die Demonstrationen gegen ihn lie?en Schlimmstes befurchten. "Man revitalisiert zurzeit den Hass aus der Besatzungszeit. Der Zweite Weltkrieg ist sehr prasent. Im Moment ist jeder Deutsche ein Nazi." Unter anderem wird der Historiker ahnlich wie Angela Merkel in einer Bildmontage im Internet mit mordenden SS-Schergen abgebildet. "Es wird Zeit, dass wir ihn zum Schweigen bringen. An die Wand mit ihm", lautet die Unterschrift.

Im Kern geht es um das 2011 erschienene Buch "Operation Merkur. Die Eroberung der Insel Kreta im Mai 1941", Band 54 einer Schriftenreihe, das auch in Athen veroffentlicht wurde. Der fruhere Oberkommandierende der griechischen Streitkrafte, General a.D. Manousos Paragioudakis, stie? sich an Richters Feststellung, dass die deutsche Luftlandung auf der Mittelmeerinsel keineswegs den deutschen Angriff auf Russland verzogert habe. Richter: "Das ist ein griechischer Mythos, wonach Hitler den Zweiten Weltkrieg verloren habe, weil er durch den Griechenland-Feldzug zu spat in Russland einmarschierte und damit in den Winter geriet."

Das und kritische Feststellungen zum Partisanenkampf reichten der Justiz auf Kreta, Richter aufgrund eines Gesetzes wegen Volksverhetzung und Holocaust-Leugnung anzuklagen. Da sein Buch in Griechenland vergriffen sei, stutze die Staatsanwaltschaft die Vorwurfe allein auf die griechischen Medienberichte. "Dieser Nazi lugt seit 40 Jahren", sei da noch der harmloseste Vorwurf. Es sei erschreckend, dass niemand von denen, die wutend gegen ihn protestierten, das Buch oder andere Veroffentlichungen von ihm gelesen habe.

Der Griechenland-Freund und -Experte befurchtet nun, niemals mehr in seine zweite Heimat einreisen zu durfen: Die deutsche Botschaft in Athen hat ihm dringend geraten, nicht zur Gerichtsverhandlung nach Kreta zu kommen.

Quelle: RP

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